Augustinus über Staaten und Piraten

2009 April 11
by soulshappiness

piratenDieser Tage ist das Thema Piraterie wieder in aller Munde. So schreibt die FAZ:

Ungeachtet des internationalen Kampfs gegen Seeräuber vor Somalia hat die Zahl der Piraten-Angriffe am Horn von Afrika in den vergangenen Tagen spektakulär zugenommen.

Und auch die NZZ weiß freudig zu berichten:

Französische Soldaten haben im Golf von Aden ein von Piraten gekapertes Boot gestürmt. Dabei wurden mindestens eine Geisel und zwei der Piraten getötet. Drei Seeräuber seien gefangengenommen worden, teilte die französische Regierung mit. Der von Piraten entführte Kapitän eines andern Schiffes soll offenbar von der US-Marine befreit werden.

Was macht einen Menschen zum Piraten? Entspricht es christlicher Ethik, zuzulassen, dass Deutschland, Österreich und die Schweiz Soldaten nach Afrika zu schicken, um Handelsschiffe mit Waffengewalt zu beschützen und Piraten zu töten? Mich hat die Frage dazu gebracht wieder einmal einen Blick in Augustinus’ Vom Gottesstaat zu werfen. Folgendes findet man in Buch 4, Kapitel 4:

Ohne Gerechtigkeit sind die Staaten nur große Räuberbanden

Was sind überhaupt [König]Reiche, wenn die Gerechtigkeit fehlt, anderes als große Räuberbanden? Sind doch auch Räuberbanden nichts anderes als kleine [König]Reiche. Sie sind eine Schar von Menschen, werden geleitet durch das Regiment eines Anführers, zusammengehalten durch Gesellschaftsvertrag und teilen ihre Beute nach Maßgabe ihrer Übereinkunft. Wenn eine solche schlimme Gesellschaft durch den Beitritt verworfener Menschen so ins große wächst, daß sie Gebiete besetzt, Niederlassungen gründet, Staaten erobert und Völker unterwirft, so kann sie mit Fug und Recht den Namen „Reich“ annehmen, den ihr nunmehr die Öffentlichkeit beilegt, nicht als wäre die Habgier erloschen, sondern weil Straflosigkeit dafür eingetreten ist. Hübsch und wahr ist der Ausspruch den ein ertappter Seeräuber Alexander dem Großen gegenüber getan hat. Auf die Frage des Königs, was ihm denn einfalle, daß er das Meer unsicher mache, erwiderte er mit freimütigem Trotz: „Und was fällt dir ein, daß du den Erdkreis unsicher machst? aber freilich, weil ich es mit einem armseligen Fahrzeug tue, nennt man mich einen Räuber, und dich nennt man Gebieter, weil du es mit einer großen Flotte tust.“

Augustinus hatte erkannt, dass es bei der Unterwerfung anderer Menschen auf die Größe ankommt. Diese bestimmt, ob man ein Terrorist oder einer großer Feldherr ist. Vor 1600 Jahren, wie auch heute.

Ehre sei Gott!

unterschrift

  1. 2009 April 16
    antifo Permalink

    Damit kann man Lenins Imperialismus-Theorie aus den Angeln heben!

    Die Kirchenväter sind immer wieder wert gelesen zu werden. Augustinus Gottesstaat erschien mir bisher nur ein wenig zu umfangreich …

    Was ich sehr anregend fand, ist Tertullian zu Dämonen:

    http://www.unifr.ch/bkv/kapitel92-21.htm
    http://www.unifr.ch/bkv/kapitel92-22.htm

    Gedanken dazu von mir unter:
    http://www.politikstube.de/forum/f101/christentum_johannes_damaskus-10163/#post98274

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