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Paulus und die erste Ausbreitung, 30 – 65 AD

14. März 2010

Nach seiner Bekehrung machte sich Paulus im Jahr des Herrn 46 gemeinsam mit Barnabas auf den Weg zu seiner ersten Missionsreise. Die Chronologie seiner drei oder vier Missionsreisen durch Kleinasien und von dort in die Provinzen Macedonia und Achaia mag so ausgesehen haben:

46 – 48: Erste Missionsreise nach Zypern, Galatien, Pisidien, einschliesslich Antiochia, Lystra und Derbe.

48: Rückkehr nach Antiochia und von dort nach Jerusalem zum apostolischen Konzil, in welchem Jakobus den Vorsitz hatte (Apostelgeschichte 15).

49 – 52: Zweite Missionsreise. Paulus besucht und stärkt die Kirchen welche er und Barnabas gründete. Anschliessend ging er durch Phrygien nach Nordwesten an die Küste Troas’. Von Troas ging er nach Macedonia, wo er in Philippi, Beroia, Athen und Korinth predigte. Sein 18-monatiger Aufenthalt in Korinth ist durch den Zusammenfall mit dem Prokonsulat Gallios (51 – 52) datiert.

53 – 56: Paulus in Ephesus. Weitere Missionen im Mäandertal bis zu Kolossai und wahrscheinlich auch Laodikeia am Lykos.

56 – 57: Eine Kontrollreise mit einem dreimonatigen Aufenthalt in Korinth (Apostelgeschichte 20:2-3), in der er auch in Philippi und Thessaloniki vorbeikommt. Von dort gong es nach Troas und den Ägäischen Inseln.

58: Milet und mit dem Schiff nach Jerusalem. Wurde dort gefangen genommen.

58 – 59: Gefängnis in Jerusalem.

59 – 60: Reise nach Rom.

60 -62: Paulus in Rom. Das Datum seines Todes ist ungewiss.

Die christliche Religion und die Gesellschaft

Auch wenn die Predigten Pauli in den Synagogen Kleinasiens und Griechenlands revolutionär gewesen sein mögen, seine politische und gesellschaftliche Ansicht war konservativ. Die bestehenden Mächte waren von Gott. Ihnen soll nicht widerstanden werden. Steuern sollen gezahlt werden. Ehre soll dem erbracht werden, dem Ehre gebührt (Römer 13:1-7). Die Arbeit des Staates und seiner Beamten, Frieden zu bewahren und zwischen Gut und Böse zu richten war ein notwendiger Teil der Welt, auch wenn diese, so wie er dachte, bald schon ihr Ende finden würde. In der Zwischenzeit sollte das Gesellschaftssystem beibehalten werden. Den Christen von Thessaloniki, die ihre Schlüsse aus seinen Predigten gezogen hatten, die “unordentlich wandeln, indem sie nicht arbeiten” (2. Thessalonicher 3:11) wurde ins Gewissen geredet. Das Grundsätzliche der Familie, “Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter, wie es sich im Herrn ziemt! Ihr Männer, liebt eure Frauen und seid nicht bitter gegen sie! Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern in allem! Denn dies ist wohlgefällig im Herrn. Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht, damit sie nicht mutlos werden! Ihr Sklaven, gehorcht in allem euren irdischen Herren, nicht in Augendienerei, als Menschengefällige, sondern in Einfalt des Herzens, den Herrn fürchtend!” (Kolosser 3:18-22), sollte beibehalten werden.

Christliche Gottesdienste wurden in den Häusern der reicheren Glieder abgehalten (1).

Das paulinische Predigtamt

In den Kirchen lebten alle getauften Christen unter der Eingebung des Heiligen Geistes und waren in der Sicht des Herrn alle gleich. Unter dieser Voraussetzung wurden Ämter in jeder Gemeinde berufen und die Kirchen wurden zu Zentren einer ziemlich ausgearbeiteten sozialen Struktur, welche sowohl auf den Haushalten der Bekehrten, wie auch auf den individuellen Bekehrten, wie Philemon (Philemon 1-3) oder Gajus in Korinth (Römer 16:23), beruhte (1). In der ersten Missionsreise liessen Paulus und Barnabas ihre neu gegründeten Gemeinden unter der Leitung von Presbytern. “Als sie ihnen aber in jeder Gemeinde Älteste gewählt hatten” (Apostelgeschichte 14:23). Der Presbyter und Bischof war ein und die selbe Person, was Paulus zeigt als er die Leiter der Kirche in Ephesus im Jahr des Herrn 58 anschreibt (Apostelgeschichte 20:17.28). Nach aussen hin waren die paulinischen Kirchen nach den existierenden jüdischen Synagogen geformt.

Die Liturgie

Wie sich die Liturgie in Jerusalem in den 50ern und 60ern entwickelte ist nicht sicher, wir dürfen aber annehmen, dass jüdische Feste gefeiert wurden und das der christliche Gottesdienst nahe den jüdischen blieb. Paulus selbst ging an Pfingsten nach Jerusalem (Apostelgeschichte 20:16). Die Kirchen entwickelten jedoch ihre eigenen Gottesdienstformen, welche sich auf die hellenistischen Synagogen bezogen, welche ein Muster für die zukünftige christliche Liturgie stellten. Die traditionellen Feste bekamen eine christliche Bedeutung. So schriebt auch Paulus über das Passah an die Korinther: “Fegt den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seid, wie ihr ja bereits ungesäuert seid! Denn auch unser Passahlamm, Christus, ist geschlachtet. Darum lasst uns das Fest feiern, nicht mit altem Sauerteig, auch nicht mit Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit Ungesäuertem der Lauterkeit und Wahrheit!” (1. Korinther 5:7-8). Andere Feste, Neumonde und selbst der Sabbat wurden verworfen als “Schatten der künftigen Dinge” (Kolosser 2:16-17).

Taufe und Eucharistie

Die christlichen Zeremonien selbst könnten vielleicht von einer aufwendigen Liturgie begleitet gewesen sein. Sicherlich gab es Siegelung und Salbung (Epheser 1:13, 1. Johannes 2:20). Wasser wurde benutzt, um die Vergebung der Sünden zu symbolisieren. Hände wurden auf den Bekehrten gelegt, um den Heiligen Geist auf ihn zu übertragen (Apostelgeschichte 19:6). Die Taufe beinhaltete die Vergebung der Sünden, eine Versiegelung der Auserwählten, die den Reich Gottes angehören sollten, und war ein Zeichen des Neuen Bundes, wie der Apostel Paulus sagte: “wisst ihr nicht, dass wir, so viele auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, so werden auch wir in Neuheit des Lebens wandeln” (Römer 6:3-4). Die Taufe brachte den Bekehrten in eine innige Beziehung mit Christi Tod, welcher nicht nur die Vergebung der Sünden bot, sondern auch völlig neue Horizonte der persönlichen Existenz unter dem Geist.

Wie wurde dieses neue Leben in der Anbetung interpretiert? Abgesehen von den Prophetien und den ekstatischen Äusserungen in Korinth (1. Korinther 14), wie wichtig sie auch gewesen sein mögen (1. Korinther 12:28), wurden jeden Sonntag – am Tag von Jesu Auferstehung – geregelte Gottesdienste gehalten. Die Eucharistie war eine Gedenkfeier an Christi Tod welchen Er Gott anbot, und eine sakramentale Gemeinschaft der Zelebranten mit ihrem Herrn. Sie wurde in allen nichtjüdischen Kirchen gefeiert und seine Form, mit den Worten “dies tut zu meinem Gedächtnis” (1. Korinther 11:24) ist bereits schon zur Tradition geworden als Paulus den Brief an die Korinther schrieb. Die Agape, ein gemeinsames Mahl, stand mit ihr im Zusammenhang (daher auch 1. Korinther 11:33). Sofern wir dem 112 AD geschriebenen Brief Plinius’ an Kaiser Trajan glauben dürfen, war sie getrennt von der Eucharistie und wurde im Anschluss gehalten (2). Diese Gottesdienste wurden mit ihren Hymnen und Gebeten jeden Sonntag in der Erwartung der Parusie wiederholt und wurden zum Bestandteil der Institution der Kirchen. Das Bedürfnis nach Ordnung und Leitung im Gottesdienst bewegte ihre Organisation stetig in die Richtung eines einzelnen ortsansässigen Leiters, der für die Gemeinde verantwortlich war.

Die neronische Verfolgung 64 AD

Weshalb Kaiser Nero versuchte die Christen zum Sündenbock für das desaströse Feuer vom 19. Juli 64 zu machen, welches ganze Bezirke Roms zerstörte, ist unbekannt. Dass der Antrieb orthodoxer Juden in der Hauptstadt etwas damit zu tun haben könnte, scheint möglich. Ob Petrus und Paulus zu den Opfern der Verfolgung gehörten ist auch unbekannt. Spätere Martyrologien zählen die Apostel gemeinsam mit weiteren 977 Christen zu den Märtyrern (3). Wichtig für die Zukunft des Christentums war, dass sie, obwohl dies eine alleinstehende Katastrophe ohne Fortsetzung war, nicht vergessen wurde. Sechzig Jahre später wurden die Geschehnisse durch Publius Cornelius Tacitus mit kargem Mitgefühl für die Christen wieder ins Gedächtnis gerufen (4). Das Christentum war von nun an in den Augen der herrschenden Klasse des Reiches mit einer “schlechten Religion” (prava religio) assoziiert. Es war keine “legale Religion” (religio licita).

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Einzelnachweise

(1) Abraham J. Malherbe, Social Aspects of Early Christianity

(2) Plinius der Jüngere, Briefwechsel zwischen Plinius und Trajan, X.96.7

(3) Martyrologium Hieronymiamum

(4)Tacitus, Annalen, XV.44

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