Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel
Ein orthodoxes Glaubensbekenntnis über die Dreieinigkeit und den Sohn, aus dem Jahr des Herrn 381.
Wir glauben an den einen Gott,
den Vater,
den Allmächtigen,
der alles geschaffen hat,
Himmel und Erde,
die sichtbare und die unsichtbare Welt.Und an den einen Herrn Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn,
aus dem Vater geboren vor aller Zeit:
Gott von Gott,
Licht vom Licht,
wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch ihn ist alles geschaffen.
Für uns Menschen und zu unserm Heil ist er vom Himmel gekommen,
hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist
von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.
Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus,
hat gelitten und ist begraben worden,
ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift
und aufgefahren in den Himmel.
Er sitzt zur Rechten des Vaters
und wird wiederkommen in Herrlichkeit,
zu richten die Lebenden und die Toten;
seiner Herrschaft wird kein Ende sein.Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater (und dem Sohn) hervorgeht,
der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird,
der gesprochen hat durch die Propheten,
und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.
Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.
Wir erwarten die Auferstehung der Toten
und das Leben der kommenden Welt.
Amen.

Glaubst Du nicht an das filioque?
Hallo Sebastian
Ich sehe die Probleme, die das filioque gebracht hat. Da wäre zum einen mal der ekklesiastische Aspekt, da die Änderung unilateral im den Westen geschah, aber niemals mit den Kirchen im Osten abgesprochen wurde – obwohl diese beim ursprünglichen Konzil die Mehrheit stellten. Aber darüber hinaus habe ich auch ein theologisches Problem damit: die Beziehungen innerhalb der dreieinigen Gottheit werden vermischt. Der Vater ist ungezeugt und zeugte den Sohn. Der Sohn ist gezeugt aus dem Vater. Sie sind zwei Personen. Daher muss die Beziehung zwischen Vater und Heiligem Geist eine andere sein, als die von Sohn und Heiligem Geist. Wenn der Heilige Geist nun sowohl aus dem Vater, als auch aus dem Sohn hervorgehen sollte, werden Vater und Sohn entweder vermischt oder müssen komplett von einander getrennt werden.
Natürlich bedenke ich dabei auch Johannes 16:7 und 20:22. Auf diese Problem hat mich allerdings erst Robert Lethams Buch „The Holy Trinity“ gebracht. Wenn wir nun jetzt sagen würden:
„Wir glauben an den Heiligen Geist,
der Herr ist und lebendig macht,
der aus dem Vater ‘durch den Sohn’ hervorgeht“
wäre zumindest für mich – vielleicht sogar für West und Ost – alles wieder in Ordnung.
Was sind Deine Gedanken dazu?
Also nochmal zur Klärung: Es ist nicht so, dass ich das filioque ablehne, ich kann es aber auch nicht mit gutem Gewissen bejahen.
Werd’s mal in Klammern setzen und hoffe auf Meinungen.
Ist der Heilige Geist nicht auch Geist des Sohnes genannt ? Siehe Galater 4, 6.
Lieber Jean-Louis
Der Heilige Geist wird Geist des Sohnes genannt. Die Beziehung innerhalb der Dreieinigkeit, im Speziellen zwischen dem Sohn und dem Geist, sind aber nicht ein-, sondern wechselseitig (Johannes 16:7.13-15, 15:26, 14:26; Lukas 3:22; Matthäus 1:18-20; Römer 8:11). Während der Sohn nun den Geist sendet, wird er selbst durch den Geist auch geleitet. Der Geist wird im Bezug zum Vater auch Geist Gottes genannt (Z.B. in 1. Johannes 4:2).
Im Osten war nun der Interpretationsansatz in der Dreieinigkeitslehre dieser: Der Fokus liegt auf dem Vater als den Ursprung der Existenz des Sohnes und des Heiligen Geistes. Der Vater gilt als Garant für die Einheit der Gottheit. Er ist die einzige Quelle und der alleinige Grund für den Sohn und den Geist. Daher geht der Geist aus dem Vater hervor. Letham schreibt dazu:
Im Westen war meines Wissens nach der Arianismus ein sehr grosses Problem der Kirche, weshalb diese die Betonung auf die Wesenseinheit des Vaters und des Sohnes legte. Das filioque war ihr daher sehr wichtig und diente dazu, dies zu untermauern.
Kannst du dazu (zum filioque) vielleicht noch andere (evtl. sogar deutsche) Literatur oder Forendiskussionen nennen?
Lieber Raphael
Obwohl Calvin das filioque nicht gross diskutiert (er bekennt es), finde ich seine Ausführungen über die Dreieinigkeit ziemlich erfrischend, da er sich sehr ausführlich mit den drei Personen in der einen Gottheit befasst hat. Ich weiss nicht ob ich damit richtig liege, aber mir scheint es, als sei er weitaus näher am östlichen Bild der Dreieinigkeit, als irgendein anderer, von mir gelesener, westlicher Theologe. Vor einigen Monaten habe ich diesen kurzen Artikel darüber geschrieben:
http://soulshappiness.ch/2009/03/22/der-dreieinige-gott-orthodox-und-reformiert/
Ebenfalls sehr empfehlenswert ist die “Rede über die Heilige Taufe” von Gregor von Nazianz. Leider habe ich das bisher nur auf englisch gefunden:
http://www.ccel.org/ccel/schaff/npnf207.iii.xxiii.html
Ansonsten würde ich mal googlen oder noch besser Ixquicken (speichert Deine IP nicht): ixquick.com
Thomas